Katz und Maus | Orgelmaus – Eine Geschichte von Abenteuer und Musik, Folge 6

Griaß Gott! Die Ereignisse überschlugen sich zuletzt. Unsere Geschichte begann vor einigen Wochen gemächlich mit der Weißen Maus, Großmutter und Mentorin der grauen Maus. Graue Maus sollte ihre Nachfolgerin Orgelmaus und damit Hüterin der Orgel in der Regensburger Minoritenkirche werden. Doch die junge Maus ist ein Widerborst, der Weiße Maus (und sich selbst) von einer einer Aufregung in die andere stürzte. Nach Abenteuern sehnte sich die künftige Orgelmaus. Es scheint so, als erlebe sie nun, was sie sich von Herzen wünschte: eine Abenteuerfahrt ins Unbekannte.   

Das Knacken dröhnte durch die Stille. Ein Fauchen. Ein Fauchen? Maus zuckte zusammen. Keine gute Idee. Denn sie hangelte am Rand der Kiste, halb drinnen, halb draußen. Noch während sie überlegte, ob es in der Kiste nicht doch besser wäre, verlor sie das Gleichgewicht und kippte kopfüber über den Rand der Holzkiste. Mit einem dumpfen Platsch landete sie auf ihrem pelzigen Allerwertesten − und blickte in ein Paar bernsteinfarbene Augen, die ihr aus einem unergründlichen schwarzfelligen Gesicht entgegenblickten. Zu nah! Katze! Waaah! Maus machte einen Satz rückwärts und prallte an der Kiste ab. Sollte sie wie ihre Familie von einer Katze gefressen werden? Hey, sie war die letzte ihrer Familie, die nächste Orgelmaus, sie war, sie war … ja, genau, sie war etwas Besonderes! So endeten keine Abenteuergeschichten, das war unfair! Maus schnappatmete und ihre Angst verwandelte sich in Zorn. Sie baute sich in ihrer ganzen Kleinheit vor der interessiert guckenden Katze auf und funkelte sie an. Ihre Schnurrhaare vibrierten erbost. Sollte sie mal kommen, dieses Katzentier! Pah, wer war sie denn, diese gewöhnliche, stinknormale Stubenmieze?

Die kicherte. »Na, Maus. Was ist Sie denn für eine? Sei Sie froh, dass Kraven schon gefressen hat.«  Maus starrte die schwarze Katze verdutzt an. Sie erinnerte sich, dass ihr Weiße Maus erzählt hatte, dass Katzen gemeinhin von sich in der dritten Person und sowieso sehr merkwürdig sprechen. Sie wähnen sich als die Königinnen der Tiere, aber bitteschön, wer glaubt denn einen solchen Unfug? Maus zappelte unruhig. Und jetzt? »Äh, Kraven?« krächzte sie nervös. »Kraven Seidenweich, wenn’s recht ist, Haus- und Hofkater der Hermann Eule Orgelbau GmbH. Seit sechs Jahren im Dienst, ohne Fehl und Tadel.« Maus verkniff sich ein Prusten. Seidenweich? Hihi. Hm, sollte sie sich nun auch vorstellen? Hatte der Kater eben nicht was von Fressen gesagt? Aber vielleicht schmecken Mäuse nicht mehr, wenn man erst ihren Namen kennt. Betroffen blickte sie zu Boden. Sie hatte nur keinen Namen. »Was hat Sie denn? Warum schaut Sie so traurig?« fragte der Kater. Eine Katze, die nicht nur sehr verschwurbelt spricht, sondern auch noch Mitgefühl mit einer Maus hat? Allmählich kam sich Maus wirklich wie in einem Abenteuer von Indiana Mouse vor. Vielleicht wachte sie morgen auf und alles war wieder, wie es sein sollte. Solange musste sie allerdings am Leben bleiben …

»Maus, Orgelmaus, also, demnächst eine richtige Orgelmaus. Ich bin aus der Minoritenkirche in Regensburg, weißt du, darin ist das Historische Museum, sehr erfreut,« haspelte sie. »Ich kam in dieser Kiste da. Da ist meine Orgel drin. Naja, nicht die ganze Orgel. In dieser Kiste sind die Orgelpfeifen. Der Rest dürfte in den anderen Kisten sein, wenn ich das richtig überblicke. Oh, da drüben steht aber auch schon ein Teil meiner … Ist das meine Orgel? Entschuldige, das ist mein erstes Abenteuer. Ich übe noch. Was wollte ich fragen? Ach ja. Ähm, könntest du mir vielleicht sagen, wo ich hier bin?«

Der Kater ordnete mit der Pfote ihre Schnurrhaare. »Kein Name, nein? Nun, kleiner Mäusling, er befindet sich in Bautzen, in der Orgelbau-Werkstatt der Firma Eule. Und wenn er seine Orgel mitbrachte, wird sie hier in guten Händen sein. Hier werden hervorragende Orgeln erbaut und historische Orgeln restauriert.« Kraven machte ein wichtiges Gesicht und maunzte zur Bekräftigung. Restau- äh, was? Maus überlegte noch, ob sie den Kater fragen sollte, was das bedeutete. In dem Moment verzog Kraven missmutig das Gesicht. »Zeit ist endlich, Kravens Geduld auch. Na los, ziehe Sie Leine, Orgelmaus ohne Namen. Bevor Kraven wieder hungrig wird.“ Die Katze täuschte einen Sprung an und fauchte. Maus nahm hurtig Reißaus. Herrje, was für eine launische Miezekatze! Da, sie stolzierte aus dem Raum und verschwand. Maus atmete tief durch.

So. Bautzen. Maus hatte keine Ahnung, wo um Himmels willen das sein sollte. Sollte das in der Tat kein Traum sein, war das aber ihr geringstes Problem. Sie war allein. Niemand wusste, wo sie war. In den Kisten war offenkundig ihre Orgel. Diese Kisten standen in einer Werkstatt. Ein Teil der Orgel war bereits ausgepackt. Und in dieser Werkstatt trieb sich eine eingebildete Katze herum, die demnächst hungrig war. Apropos hungrig. Hier knurrte ein Mäusemagen, und zwar deutlich. Wo sollte sie hier nur etwas zu essen herbekommen? Maus pirschte los …

Ob Maus dem Kater Kraven noch einmal begegnet? Und was hat es mit diesem Restaurieren auf sich? Wie es mit unserem Abenteurer im Mäusepelz weitergeht, erfahren wir in der nächsten Folge. Servus!

Auge in Auge mit Kater Kraven. (Foto: Wibke Ladwig)

Auge in Auge mit Kater Kraven. (Foto: Wibke Ladwig)

Maus wetzte durch die Werkstatt, wo sie Teile ihrer Orgel erkannte ...

Maus wetzte durch die Werkstatt, wo sie Teile ihrer Orgel erkannte …

Was hatte es nur mit diesem Restaurieren auf sich? Orgelmaus war ratlos.

Was hatte es nur mit diesem Restaurieren auf sich? Orgelmaus war ratlos.

 

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2 Gedanken zu “Katz und Maus | Orgelmaus – Eine Geschichte von Abenteuer und Musik, Folge 6

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