Die Geschichte der Cuntz-Orgel – Teil 3

Puh. In Einzelteilen lag und stand sie da, ihre Orgel. Konnte das seine Richtigkeit haben?  (Foto: Anja M. Pietzsch)

(Foto: Anja M. Pietzsch)

„Traunfeld ist eine Gemeinde im größten deutschen Bundesland Bayern. Traunfeld liegt im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz“ – verkündet lapidar die Wikipedia wenn man nach Informationen über den Ort sucht. Viel mehr ist dem Eintrag dann nicht mehr zu entnehmen. Mit dem Auto sind es heutzutage etwa eine Stunde von Regensburg zu nach Traunfeld, wo die unsere Orgel eine Zeitlang ihren Sitz hatte. Wie mag das wohl früher gewesen sein mit Kutsche und Pferden?

„Um 1820 waren die bedeutenden Überland-Postkurse so gut ausgebaut, dass die dort verkehrenden Kutschen mit dem Tempo einzelner Reiter mithalten konnten. Die Reisegeschwindigkeit der Postkutsche wurde durch Straßenbau von etwa 2 km/h im Jahr 1700 auf etwa 10 km/h im Jahr 1850 gesteigert. Eine Kutsche konnte damals an einem Tag bisweilen über 100 Kilometer zurücklegen.“ Verrät uns die Wikipedia. Und aus zeitgenössischen Berichten kann man erahnen, dass eine Postkutschenreise durchaus kein Vergnügen war. Wer heutzutage die Gelegenheit hat in einer zu reisen wird das bestätigen können: Stoßdämpfer gab es damals nicht unbedingt, man merkte also jeden Stein und jeden Stoß über den das Gefährt fuhr.

Unsere Cuntz-Orgel jedenfalls ist eine ganze Weile erstmal in Traunfeld geblieben, denn die ersten Notizen über eine Renovierung finden sich erst knapp 30 Jahre nach der ersten Eisenbahn – die bekanntermaßen 1835 von Nürnberg aus abfuhr:  „Im Jahre 1863 den 10 ten März wurde diese Orgel repariert von Joseph Ehrlich Orgelbauer von Nabburg.“ Nabburg? Die Stadt Nabburg liegt im Naturpark Oberpfälzer Wald beiderseits der Naab. Von der Karte her gesehen doch noch ein ganzes Stück weit von Traunfeld entfernt. Wir wissen nicht so ganz was Joseph Ehrlich in Traunfeld suchte, ob er vielleicht zufällig anwesend war, ob es ein Verfahren gab mit dem man den besten Orgelbauer der Gegend für die Renovierung der Orgel aussuchte – da schweigen die Handschriften und Notizen. Leider. Und dabei gibts noch etliches Kopfzerbrechen zu der Frage, ob 1863 die erste Renovierung war oder ob das schon 1856 erfolgte. Die Notiz dazu ist nicht ganz eindeutig: „Die Orgel repariert und und die Bälge neu gefertigt im Jahre 1856 (1886?) Gg. Schweigert aus Sulzberg.“ Ist 1856 nun ein Schreibfehler? Oder wurde unsere Orgel tatsächlich erst 1886 wieder fachgerecht renoviert? Eberhard Kraus berichtet zudem im ersten Restaurierungsbericht vom 3. Feb. 1976 einen weiteren Hinweis auf eine Reparatur: „Die Windladen sind mit Zeitungen der Regensburger Morgenpost des Jahres 1869 verklebt.“ Das heißt, die Orgel muss kurz vor dem Deutsch-Französischem Krieg 1870 und der Gründung des Deutschen Reiches noch einmal repariert worden sein.

Froh dürfen wir darüber sein, dass die Orgeln den ersten Weltkrieg überlebt hat. Dabei hat sie auch das Königreich Bayern überlebt, das 1918 aufgelöst wurde. Die Weimarer Republik wurde als Staatsform geboren und 1929 dann kam unsere Orgel auch endlich nach Regensburg. Gekostet hat sie 200 Reichsmark, erworben wurde sie für die Sammlungen der Stadt Regensburg und war nicht in einem spielbaren Zustand vermerken die Annalen. Wieviel 200 Reichsmark in Euro sind? Gute Frage, denn die Reichsmark war nicht gerade eine sehr stabile Währung – als Annäherungswert könnte man den Umrechnungshinweise für die Kaufkraft laut Hamburger Staatsarchiv und Statistischem Bundesamt bezogen auf das Jahr 2000 zugrunde nehmen. 1 Reichsmark (1924–1936) = 3,32 Euro damals, aktuell ungefähr 4,18 Euro. Mehr oder weniger. Damit läge man bei dem Preis der Orgel ungefähr bei summa sumarum 800 Euro. Ungefähr.

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