Geschichtliches über Regensburg, Nürnberg und die Orgel – Teil 1

Das Jahr 1627 ist nicht gerade reich an wichtigen Ereignissen der Weltgeschichte. Die Tatsache etwa, dass nach dem Tod von Karl I sein Sohn Karl Eusebius der zweite Fürst von Liechtenstein wird oder dass die Festung La Rochelle durch Truppen des französischen Königs Ludwig XIII. belagert wird – all das ist nur Historikern wohl geläufig. 1627 aber ist zumindest für die Gilde der Orgelmäuse in Regensburg ein sehr wichtiges Jahr: Die Orgel in der Minoritenkirche wird von Stephan Cuntz erbaut.

Vermutlich kommt unser Orgelbauer hier einem Auftrag eines Nürnberger Patriziers nach. Darauf deutet der Umfang der Orgelpfeifen und die Register hin, die mit 6 an der Zahl ja eher überschaubarer sind. Offenbar war die Orgel für den Einsatz im Haus gedacht und nicht für die Begleitung eines Gottesdienstes in der Kirche. Wir wissen, dass die Orgel 1627 erbaut worden ist und vermutlich längere Zeit in Nürnberg stand. Dass die Orgeln zwischendurch auch nach Traunfeld ausgelagert wurde, das ist ebenfalls Fakt. Wann dies genau geschah ist allerdings unbekannt – und die erste Meldung über die Orgel erfolgt dann auch erst im Jahr 1863,

Bis dahin allerdings hat die Stadt Regensburg schon einige historisch wichtige Ereignisse hinter sich. Knapp drei Jahre nachdem die Orgel erbaut wurde, im Jahr 1630, wird der legendäre Feldherr Wallenstein abgesetzt. Die Hintergründe dafür sind etwas komplizierter, schließlich befinden wir uns im 30-jährigen Krieg, dessen Schlachtenwirrwarr gar nicht so einfach zu entwirren ist. Wallenstein hatte sich schon seit längerem bei den deutschen Fürsten nicht gerade beliebt gemacht, ja, sie glauben er wird allmählich zu mächtig. Und so ganz sicher können sie seiner Loyalität gegenüber der katholischen Sache nicht sein. Zudem spielt auch noch die höhere Politik eine Rolle: Nachdem Wallenstein aus dem Weg ist können die Fürsten den Sohn von Kaiser Ferdinand II. zum Kaiser ausrufen lassen. Ferdinand II. war ihnen dann doch eine Spur zu mächtig geworden. 1630 stirbt der bekannte Astronomen Johannes Keppler in Regensburg.

Regensburg selbst sieht stürmischen Zeiten entgegen. Der 30jährige Krieg bringt es mit sich, dass die Stadt von den Schweden unter Führung von Bernhard von Weimar erstürmt wird um nur wenig später wieder von kaiserlichen und bayerischen Truppen zurückerobert zu werden.  Arge Zeiten. Schwere Zeiten. Wie Cuntz wohl unter diesen Umständen arbeiten konnte? Denn zimperlich waren die Truppen damals nicht. Einen Eindruck davon erzählt Grimmelshausen bekanntlich im Simplicissimus mit dem dieser Blogbeitrag zu Ende gehen soll:

Das erste, das diese Reuter täten und in den schwarz gemalten Zimmern meines Knäns anfiengen, war, daß sie ihre Pferde einställeten; hernach hatte jeglicher seine sonderbare Arbeit zu verrichten, deren jede lauter Untergang und Verderben anzeigte. Dann obzwar etliche anfiengen zu metzgen, zu sieden und zu braten, daß es sahe, als sollte ein lustig Bankett gehalten werden, so waren hingegen andere, die durchstürmten das Haus unten und oben; ja das heimliche Gemach war nicht sicher, gleichsam ob wäre das gölden Fell von Kolchis darin verborgen. Andere machten von Tuch, Kleidungen und allerlei Hausrat große Päck zusammen, als ob sie irgends einen Krempelmarkt anrichten wollten; was sie aber nicht mitzunehmen gedachten, ward zerschlagen und zugrunde gerichtet; etliche durchstachen Heu und Stroh mit ihren Degen, als ob sie nicht Schaf und Schweine genug zu stechen gehabt hätten; etliche schütteten die Federn aus den Betten und fülleten hingegen Speck, andere Dürrfleisch und sonst Gerät hinein, als ob alsdann besser darauf zu schlafen wäre. Andere schlugen Ofen und Fenster ein, gleichsam als hätten sie einen ewigen Sommer zu verkündigen; Kupfer und Zinngeschirr schlugen sie zusammen und packten die gebogene und verderbte Stücken ein; Bettladen, Tische, Stühle und Bänke verbrannten sie, da doch viel Klafter dürr Holz im Hof lag. Häfen und Schüsseln mußte endlich alles entzwei, entweder weil sie lieber Gebraten aßen oder weil sie bedacht waren, nur eine einzige Mahlzeit allda zu halten.

 

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2 Gedanken zu “Geschichtliches über Regensburg, Nürnberg und die Orgel – Teil 1

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